Energieaudit

Im Rahmen der Energiewende in Deutschland misst der Gesetzgeber den Energieaudits eine wichtige Rolle zu. Für große und verbundene Unternehmen gilt ab 2015 eine gesetzliche Pflicht, für kleine und mittlerer Unternehmen ist das Energieaudit eine Voraussetzung für die Gewährung steuerlicher Vorteile.

Gesetzliche Verpflichtung zum Energieaudit

Energieaudits werden ab 5.12.2015 für größere und verbundene Unternehmen zur Pflicht. Alle vier Jahre ist ein Folge-Audit nachzuweisen.

Im Dezember 2012 trat die Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU) der Europäischen Union in Kraft. Sie verpflichtet alle 28 Mitgliedstaaten der EU die Durchführung von Energieaudits in ihrer nationalen Rechtsnormen zu verankern. In der Bundesrepublik Deutschland erfolgte diese Transformation von EU-Recht teilweise im Rahmen des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G).

Mit der Neufassung des EDL-G (in Kraft getreten am 22.04.2015) werden Unternehmen, die keine Kleinstunternehmen bzw. kleinen oder mittleren Unternehmen (KMU) sind, verpflichtet, bis zum 5. Dezember 2015 und danach mindestens alle vier Jahre nach dem vorangegangenen Energieaudit ein Wiederholungsaudit durchzuführen. Das Energieaudit hat den Anforderungen der DIN EN 16247-1, Ausgabe Oktober 2012, zu entsprechen.

Volltext des neugefassten EDL-G im Bundesgesetzblatt (Link auf den Volltext des EDL-G im Onlineportal des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz)

 

Ausschluss von der Pflicht nur für KMU

Für die Bewertung des KMU Status gilt die Empfehlung 2003/361/EG der Europäischen Kommission betreffend die Definition der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen (ABl. L 124 vom 20.5.2003, S. 36). Ein Benutzerhandbuch zur KMU-Definition (PDF) hat die Europäische Komission zum Download im Internet bereit gestellt.

 

Anerkennung bereits durchgeführter Energieaudits

Die Pflicht zur Durchführung eines ersten Energieaudits gilt als erfüllt, wenn zwischen dem 4. Dezember 2012 und dem 5. Dezember 2015 ein Energieaudit durchgeführt worden ist, das den Anforderungen des EDL-G entspricht.

 

Anerkennung von Energie- und Umweltmanagementsystemen

Unternehmen sind von der Pflicht zur Durchführung von Energieaudits freigestellt, wenn sie zum Zeitpunkt, in dem sie der Pflicht unterlägen, entweder

  • ein Energiemanagementsystem eingerichtet haben, das den Anforderungen der DIN EN ISO 50001, Ausgabe Dezember 2011, entspricht, oder
  • über ein Umweltmanagement im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 761/2001 sowie der Beschlüsse der Kommission 2001/681/EG und 2006/193/EG (ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 1) eingerichtet haben.

Ernennung eines Energiebeauftragten

Unternehmen, die nach dem EDL-G zur Durchführung von Energieaudits verpflichtet sind,  haben namentlich mindestens eine unternehmensinterne oder unternehmensexterne natürliche oder juristische Person zum Energiebeauftragten des Unternehmens zu ernennen. Dem Energiebeauftragten obliegt die Verantwortung für die Koordination des Energieaudits. Das Unternehmen hat sicherzustellen, dass dieser Person die nötigen Befugnisse zur Erfassung der für die Durchführung notwendigen Informationen, insbesondere für die Erfassung der erforderlichen Daten, erteilt werden.

 

Aktuelles zum geänderten EDL-G

Am 04.02.2015 hat der Ausschuss für Wirtschaft und Energie dem von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Teilumsetzung der Energieeffizienzrichtlinie zugestimmt. Das Gesetz wurde am 06.03.2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedet und ist am 22.04.2015 in Kraft getreten.

Ausnahmen in 2015

Unternehmen, die bis zum 05.12.2015 mit der Einführung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems begonnen haben, werden von der Auditpflicht befreit. Für den Nachweis der Einführung müssen die folgenden Anforderungen erfüllt sein:

  • Die Geschäftsführung des  Unternehmens verpflichtet sich (schriftlich), ein EnMS oder UMS einzuführen.
  • Es muss mindestens eine Analyse des Energieeinsatzes nach den Anforderungen der ISO 50001 4.4.3 a oder – bei Einführung eines Umweltmanagementsystems – die Erfassung und Analyse von Energieträgern und Energieströmen sowie die Ermittlung wichtiger Kenngrößen in Form von absoluten und prozentualen Einsatzmengen (gemessen in technischen und bewertet in monetären Einheiten) nachgewiesen werden.

Zulässigkeit von Multisite-Verfahren

Für Unternehmen, die über eine große Anzahl ähnlicher Standorte verfügen (z. B. Filialunternehmen) ist es möglich, die Auditierung in einem sog. Multi-Site-Verfahren durchzuführen. Dabei müssen nicht alle Standorte des Unternehmens auditiert werden, es genügt eine kleinere Anzahl, repräsentativer Standorte auszuwählen. Es gelten die Vorgaben des BAFA Merkblatts für Energieaudits.

 

Unabhängigkeit von Auditoren

Anders als zum Beispiel bei Energieberatungen, die im Rahmen der Energieberatung im Mittelstand gefördert werden, sollen Energieaudits nach EDL-G auch von Unternehmen durchgeführt werden können bei denen ein Vertriebsinteresse (z. B. Anbieter von Energieeffizienztechnologien) besteht. Bedingung ist, dass eine unternehmensinterne Trennung von Vertriebs- und Beratungsdienstleistungen sichergestellt ist.
Der zugrundeliegende Bericht zur Beschlussempfehlung an den Bundestag kann hier eingesehen werden

Energieeffizienz-Prozesse