Energieaudit

Im Rahmen der Energiewende in Deutschland misst der Gesetzgeber den Energieaudits eine wichtige Rolle zu. Für große und verbundene Unternehmen gilt ab 2015 eine gesetzliche Pflicht, für kleine und mittlerer Unternehmen ist das Energieaudit eine Voraussetzung für die Gewährung steuerlicher Vorteile.

Fragen und Antworten zur Energieaudit-Pflicht für Unternehmen

Am 22.04.2015 ist das novellierte Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G) in Kraft getreten. Mit der Neuregelung ist die gesetzliche Pflicht für Unternehmen verbunden, ein Energieaudit durchzuführen. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Fragen und Antworten.

Was wurde geändert und warum?

Geändert wurde das Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G). In seiner neuen Form führt es eine gesetzliche Pflicht zur Durchführung eines Energieaudits für Unternehmen ein. Demnach müssen Unternehmen, die keine KMU sind, bis spätestens 05.12.2015 ein Energieaudit nach der europäischen Energieauditnorm DIN EN 16247-1 durchgeführt haben. Mindestens alle vier Jahre muss das Audit wiederholt werden. Alternativ besteht die Möglichkeit, dass Unternehmen ein zertifiziertes Energiemanagementsystem oder Umweltmanagementsystem einführen. In diesem Fall müssen sie bis 05.12.2015 eine schriftliche Erklärung hierüber abgeben, in 2015 mit der Einführung beginnen und die Einrichtung des Systems bis Ende 2016 durch eine Zertifizierung nachweisen.

Grund für die Gesetzesänderung ist die Europäische Energieeffizienz-Richtlinie (EU-EED), die in Form des EDL-G teilweise in nationales Recht überführt wird. Die EU-EED definiert zahlreiche Instrumente und Maßnahmen in den Mitgliedstaaten mit dem Ziel, den Endenergieverbrauch der Europäischen Union bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Eine dieser Maßnahmen stellt die im EED-Artikel 8 festgeschriebene Auditpflicht  großer Unternehmen dar, die zur Überarbeitung des deutschen EDL-G führte. Das neue EDL-G ist am 22.04.2015 in Kraft getreten.

Für welche Unternehmen gilt die Auditpflicht?

Von der Auditpflicht sind alle Unternehmen betroffen, die kein KMU nach europäischer Definition sind. Kein KMU sind alle Unternehmen ab 250 Mitarbeiter die einen Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro sowie einer Jahresbilanz von mehr als 43 Millionen Euro erwirtschaften. Darüber hinaus gelten aber auch weitere Anforderungen, z. B. hinsichtlich der Anteilseigner, um wirklich als KMU zu gelten. Im Zweifel sollte hier genau geprüft werden. Hierfür hat die Europäische Kommission einen Leitfaden zur Überprüfung des KMU-Status erstellt und das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bietet einen kostenfreien Onlinecheck an.
Keine neuen Pflichten haben solche Unternehmen, die bereits ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem eingeführt haben oder zumindest mit der Einführung begonnen haben. 

Fällt ein Landratsamt bzw. die Kommunen im Landkreis auch unter die Regelung zur Durchführung eines Energieaudits nach EDL-G?

Behörden und Ämter sind i. d. R. öffentliche Stellen oder Körperschaften des öffentlichen Rechts und somit keine Unternehmen. Daher fallen Sie nicht unter die Auditpflicht nach §8 EDL-G.
Hingegen sind städtische oder kommunale Eigenbetriebe, z. B. Stadtwerke oder Entsorgungsunternehmen, nicht als KMU anzusehen, wenn mindestens 25 % des Kapitals oder der Stimmrechte von öffentlichen Stellen oder Körperschaften des öffentlichen Rechts kontrolliert werden. Daher fallen diese Betriebe unter die Auditpflicht nach §8 EDL-G. Unter die Auditpflicht nach EDL-G fallen diese Eigenbetriebe natürlich auch, wenn Sie große Unternehmen sind, d. h.:

  • mindestens 250 Mitarbeiter beschäftigen
  • mehr als 50 Mio. € Jahresumsatz erzielen
  • und eine Bilanzsumme über 43 Mio. € erwirtschaften

Sind kleine oder mittlere Unternehmen, die verbundene Unternehmen sind, von der Regelung betroffen?

Ein Unternehmen, dessen Stimmrechte zu mehr als 50 Prozent durch andere Unternehmen gehalten werden, ist als verbundenes Unternehmen anzusehen und muss entsprechend die gesamten Mitarbeiterzahlen, den Umsatz und die Bilanzsumme des verbundenen Gesamtunternehmens zu den eigenen Daten hinzurechnen und (sofern es dann nicht mehr unter die KMU-Definition fällt) ein Energieaudit durchführen.

 

Muss jede Filiale ein Energieaudit durchführen, oder gelten Vereinfachungen?

Dass Energieaudit muss verhältnismäßig und so repräsentativ sein, dass sich daraus ein zuverlässiges Bild der Gesamtenergieeffizienz ergibt und sich die wichtigsten Verbesserungsmöglichkeiten zuverlässig ermitteln lassen. Für Unternehmen mit vielen, gleichartigen Standorten (z. B. Filialbetriebe) besteht die Möglichkeit zur Anwendung von sog. Multi-Site-Verfahren.
Dabei werden Cluster von Standorten mit vergleichbaren Verbrauchsprofilen gebildet und anschließend eine repräsentative Anzahl an Standorten (Quadratwurzel der gesamten Anzahl vergleichbarer Standorte) für das Audit ausgewählt. Mindestens 25% der Standorte werden per Zufallsverfahren ermittelt. Es gelten die Anforderungen des BAFA Merkblatts.

 

Was müssen Unternehmen tun, die unter die neue Regelung des EDL-G fallen?

Jedes Unternehmen sollte zunächst entscheiden, ob es das Audit mit internen Ressourcen durchführen möchte oder lieber einen externen Dienstleister hinzuzieht. In jedem Fall sollte es sich mit den Anforderungen an ein hochwertiges Energieaudit vertraut machen.

Im Falle der Durchführung mit eigenen Ressourcen gilt es zu prüfen, ob entsprechend qualifizierte Mitarbeiter vorhanden sind. Soll das Audit durch einen Dienstleister durchgeführt werden, empfiehlt es sich für Unternehmen, frühzeitig einen qualifizierten Energieberater zu verpflichten.

Insbesondere größere Unternehmen und Unternehmen mit einem hohen Energieverbrauch sollten alternativ die Einführung eines zertifizierten Energiemanagementsystems (EnMS) nach ISO 50001 prüfen. Gegenüber dem Energieaudit wird so die Steigerung der Energieeffizienz zu einem festen Bestandteil in den Unternehmensprozessen.

 

Welche Termine müssen Unternehmen beachten?

Bis 05.12.2015 müssen alle betroffenen Unternehmen ein Energieaudit durchgeführt haben. Eine Übergangsregelung wird es für Unternehmen geben, die sich für die Einführung eines zertifizierten EnMS nach ISO 50001 oder eines Umweltmanagementsystems (UMS) nach EMAS entscheiden. Diese müssen sich bis zum 05.12.2015 schriftlich verpflichten, entweder ein solches System bis Ende 2016 einzuführen oder eine geeignete Stelle mit der Einführung eines solchen Systems zu beauftragen. In jedem Fall müssen sie mit der Erfassung, Analyse und Dokumentation der eingesetzten Energieträger und Energieströme begonnen haben.

 

Wie findet man einen geeigneten Berater? Welche Qualifikationen muss dieser haben?

Energieberater müssen unabhängig arbeiten, also hersteller-, anbieter- und vertriebsneutral beraten. Außerdem müssen sie über die erforderliche Fachkunde verfügen. Diese setzt sich zusammen aus einem einschlägigen Hoch- oder Fachhochschulabschluss oder einer einschlägigen Meisterprüfung sowie einer mindestens dreijährigen Tätigkeit im Bereich der betrieblichen Energieberatung bzw. des betrieblichen Energiemanagements.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat eine Liste mit für Energieaudits gemäß EDL-G qualifizierten Beratern veröffentlicht. In der Energieeffizienz-Experten-Liste für Förderprogramme des Bundes , die von der dena geführt wird, findet man qualifizierte Energieberater, die auch für die Durchführung von Energieaudits in Frage kommen.

 

Wie erfolgen der Ablauf und die Dokumentation eines Audits?

Das Energieaudit nach EDL-G ist entsprechend der Vorgaben der Energieauditnorm DIN EN 16247-1 durchzuführen. Es gliedert sich in die Phasen Vorbereitung, Datenerfassung, Analyse und Audit-Bericht.
Zur  Vorbereitungsphase gehören Vereinbarungen des Unternehmens mit dem Auditor über den Umfang des geplanten Energieaudits und eine Auftaktbesprechung. Im Anschluss erfolgt die Erfassung vorhandener und die Messung bislang nicht vorhandener Verbrauchsdaten sowie die Vor-Ort-Begehung mit dem Energieberater / Energiebeauftragten. Auf Basis der ermittelten Daten führt der Energieberater / Energiebeauftragte eine Analyse der bestehenden energetischen Situation des Unternehmens durch und erarbeitet Maßnahmenvorschläge zur Steigerung der Energieeffizienz. Der gesamte Auditprozess, die identifizierten Energieeffizienzpotenziale und die daraus abgeleiteten wirtschaftlichen Energieeffizienzmaßnahmen werden im Auditbericht dokumentiert und durch den Berater im Rahmen einer Abschlussbesprechung vorgestellt. Der Auditbericht dient auch als Nachweis für die Durchführung eines Energieaudits.

 

Mit welchen Kosten müssen Unternehmen rechnen?

Der Energieberater hat üblicherweise ein Tageshonorar. Er benötigt zur Erstellung eines Energieaudits einige Tage. Der Aufwand des Beraters hängt stark von der Größe des Unternehmens, der Komplexität der Prozesse und der verfügbaren Datenlage ab. Eine gute unternehmensinterne Vorbereitung auf das Energieaudit kann die Kosten des Energieberaters erheblich reduzieren.

 

Auf die Energieberater rollt eine Welle von Anfragen zu. Gibt es Alternativen zu hauptberuflichen Energieberatern?

Neben hauptberuflichen Energieberatern können auch unternehmenseigene Mitarbeiter das Energieaudit durchführen, wenn sie die Anforderungen des EDL-G erfüllen.

 

Wird die Einhaltung der gesetzlichen Auditpflicht geprüft bzw. die Nicht-Einhaltung sanktioniert, von wem und wie?

Die Überprüfung erfolgt stichprobenhaft durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Dieses wird die Unternehmen anschreiben und um Nachweise bitten. Im Falle der Nichteinhaltung des EDL-G droht eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro.

 

Welche Chancen bietet die Gesetzesnovelle für Unternehmen?

Unternehmen sollten die Erstellung eines Energieaudits unbedingt als Chance verstehen. Ein Energieaudit bietet einen guten Ausgangspunkt, um die eigene Energiekostenstruktur zu ermitteln und lohnende Ansatzpunkte für die Steigerung der Energieeffizienz und die Senkung der Energiekosten aufzudecken. Dafür ist es entscheidend, dass die gewonnenen Erkenntnisse aktiv genutzt werden, um einen energetischen Optimierungsprozess einzuleiten.

 

Wann sollten Unternehmen mit der konkreten Planung des Audits beginnen?

Die dena rät Unternehmen, frühzeitig zu starten. Je besser die Erstellung eines Energieaudits vorbereitet wird, desto weniger Arbeit hat ein interner oder externer Energieberater bei der Erarbeitung und desto fundierter können die Ergebnisse ausfallen. Im Anschluss an das Energieaudit empfehlen wir, die Ergebnisse zu nutzen und die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen ernsthaft zu prüfen. Viele Maßnahmen sind hoch wirtschaftlich. Ein hohes Maß an Energieeffizienz ist der beste Schutz vor steigenden Energiepreisen, senkt die betrieblichen Energiekosten bereits heute und sichert auch langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

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