Die Preisträger 2016

Herzlichen Glückwunsch! Die Initiative EnergieEffizienz gratuliert den Preisträgern des Energy Efficiency Award.

450 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft waren anwesend, als die Deutsche Energie-Agentur (dena) am 22.11.2016 die Preisträger des "Energy Efficiency Award 2016" auf dem dena-Kongress in Berlin auszeichnete. Verliehen wurden der erste bis dritte Preis des Energy Efficiency Award 2016 sowie ein Anerkennungspreis für den Einsatz digitaler Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz.

1. Preis - CAPiTA MFG GmbH aus Feistritz, Österreich

Als Hersteller von Outdoor-Sportartikeln wie Snowboards, Kite-Boards und Skier, setzt CAPiTA auf eine umweltgerechte Produktion und nachhaltige Materialien. Für den neuen Produktionsstandort Feistritz entwickelte man deshalb gemeinsam mit den unabhängigen Energieexperten sattler energie consulting gmbh ein energieeffizientes Gesamtkonzept. Das ermöglichte von Beginn an eine systematische Betrachtung, in welche auch Wechselwirkungen einzelner Systeme sowie die Lebenszyklen der Anlagen einflossen.

Im Ergebnis entschied man sich für jene Konzeptvarianten, welche die besten energetischen Ergebnisse im Gesamtkontext erzielten sowie für den Einsatz von Hocheffizienztechnologien. Das entstandene, vernetzte Wärme- und Kältekonzept wurde anschließend als Neubau umgesetzt.

Besonders innovativ: eine zweistufige Kälteanlage, mit Ammoniak als natürlichem CO₂-neutralem Kältemittel. Sie sorgt sowohl für die Kühlung als auch für die Bereitstellung von Wärme. In der ersten Stufe stellt sie Wärme für Räume bereit, in der zweiten Stufe Wärme auf höherem Temperaturniveau für Prozesse. Zusätzlich kann bei Bedarf aus einem nahe gelegenen Fluss Wärme entnommen werden und als Free-Cooling in den Fluss übertragen werden, womit sich der Energiebedarf der vernetzten Kältemaschine reduziert. Mittels dieser Kombination ist kein konventioneller Heizkessel
erforderlich.

Die gesamte Wärme wird durch die Wärme/Kälteanlage erzeugt. Durch den Wegfall des Heizölbedarfs und der gleichzeitigen Senkung des Strombedarfs ergeben sich hohe Energieeinsparungen.

Das Factsheet zum Preisträger-Projekt (PDF)

2. Preis - Pilkington Automotive Deutschland GmbH aus Aken, Sachsen-Anhalt

Die Pilkington Automotive Deutschland GmbH realisierte gemeinsam mit E.ON innerhalb eines Jahres ein integriertes Energieeffizienzprojekt. An ihrem Standort Aken in Sachsen-Anhalt wurde das gesamte Beleuchtungssystem auf LED-Technik umgestellt, die Klima- und Lüftungsanlagen erneuert sowie eine moderne Prozessleittechnik mit digitaler Echtzeit-Verbrauchsmessung implementiert. Im Bereich der Luftentfeuchtung wurde ein Technologiewechsel vollzogen: die Entfeuchtung erfolgt nun mittels Sorptionsrad statt mit einer konventionellen Kälteanlage. Dadurch konnte die erforderliche Kälteleistung reduziert werden. Die für die Regeneration des Sorptionsrads erforderliche Wärme stammt aus dem neu installierten Blockheizkraftwerk (BHKW).

Die Kühltürme des Rückkühlsystems für den Autoklavenprozess wurden erneuert sowie die hydraulische Verschaltung des Rückkühlsystem optimiert. Während das Altsystem in einem konstanten Kühlwasserdurchfluss mit hohem Wassereinsatz geführt wurde, erlaubt die neue Lösung einen bedarfsoptimierten bzw. durchsatzbezogenen Betrieb des Autoklavenprozesses. Außerdem stand im Altsystem durch den konstant gehaltenen Kühlwasserdurchlauf im Sommer oftmals nicht ausreichend Kühlkapazität zur Verfügung, wodurch die Produktion verlangsamt werden musste – dies ist nun nicht mehr notwendig.

Für die effiziente Aussteuerung aller Energieerzeugungs- und Verbrauchseinheiten nach ihren tatsächlichen Bedarfen wurde ein Gebäudeleittechniksystem installiert, dass alle relevanten Energie- und Produktionsanlagen inklusive ihrer Unterzähler integriert.

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3. Preis - Thelen Gruppe aus Essen, Nordrhein-Westfalen


An ihrem Immobilienstandort Neuss ersetzte die Thelen Holding GmbH eine alte, zentral befeuerte Warmluftheizung durch eine hocheffiziente, energiesparende Hallenheizungsanlage mit Infrarot-Dunkelstrahlern. Beraten durch die KÜBLER GmbH wurden insgesamt 84 Infrarot-Dunkelstrahler mit einer Gesamtleistung von 3.360 kW installiert. Sie erwärmen nicht wie bisher die gesamte Luftmasse der 15 Meter hohen Halle, sondern ausschließlich die Körper und Gegenstände. So entfallen Transmissions- und Lüftungsverluste einerseits und gesundheitsschädliche Staubaufwirbelungen andererseits. Ein weiterer Vorteil: die Infrarot-Dunkelstrahler besitzen eine kurze Aufheizzeit – eine kontinuierliche Beheizung der Arbeitsplätze auf hohem Temperaturniveau entfällt deshalb.

Thelen setzte auf eine vollständige Dezentralisierung und untergliederte die Halle in einzeln, steuerbare Heizzonen. So können die Arbeitsplätze entsprechend der tatsächlichen Nutzungszeit effizient beheizt werden. Die Hallenheizungen wurden mit Wärmetauschern mit insgesamt 426 kW versehen. Ihre Restwärme wird zur Bürobeheizung genutzt. Gesteuert wird die Anlage digital, angebunden an die vorhandene Gebäudeleittechnik. Das Infrarotsystem bietet neben einem geräuscharmen Betrieb die Möglichkeit, gezielt auch einzelne Arbeitsplätze zu beheizen.

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Anerkennungspreis Digitalisierung - Rauschert Heinersdorf-Pressig GmbH aus Pressig, Bayern

Die Rauschert Heinersdorf-Pressig GmbH ist ein Hersteller von technischen Keramikprodukten. Für das Unternehmen stellen Energiekosten mit circa zehn Prozent des Umsatzes einen wesentlichen Kostenfaktor dar. Doch die Einführung eines integrierten Energiemanagementsystems, dass eine nachhaltige Kostensenkung hätte herbeiführen können, scheiterte an den hohen Kosten für Sensoren und deren Installation an den einzelnen Messstellen. Im Zuge dieser Erkenntnis entschloss sich das Unternehmen, eigene Sensoren zu entwickeln, um sowohl die internen keramischen Fertigungsprozesse zu analysieren, als auch daraus ein Produkt für die eigene Anlagenbausparte anzubieten.

In Kooperation mit dem Fraunhofer Institut IIS wurde so ein Stromsensor realisiert, der den Strom durch acht Hall-Sensoren, die den Leiter ringförmig umschließen, in einer Genauigkeit von +/− 0,5 % misst. Ein integrierter Spannungsabgriff ermöglicht die exakte Ermittlung der Leistungswerte, wie z. B. die Wirkleistung, Scheinleistung und Oberwellen. Eine Klemmvorrichtung erlaubt die Installation ohne Trennung des Kabels und ohne Abschaltung des Stroms innerhalb weniger Minuten auch an Stellen mit geringem Platzangebot. Auch kann der Messtakt auf 20 Millisekunden reduziert werden, so dass die Strommessung für eine detaillierte Prozessüberwachung genutzt werden kann.

Die Messtechnik ist interoperabel angelegt und kann mit allen gängigen Betriebsdatenerfassungs- oder Energiemanagementsystemen genutzt werden. Zudem hat Rauschert gemeinsam mit der DIENES Apparatebau GmbH eine Software entwickelt, die nicht nur die Stromdaten erfasst und systematisch aufbereitet, sondern diese auch in Echtzeit mit anderen gemessenen Daten verknüpft.

Das Factsheet zum Preisträger-Projekt (PDF)

Die Preisverleihung des Energy Efficiency Award 2016 zum Nachschauen

Der internationale Energy Efficiency Award 2016 stand unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, und wurde zum zehnten Mal in Folge verliehen. Der Award wird seit 2007 im Rahmen der Initiative EnergieEffizienz der dena für herausragende Energieeffizienzprojekte in Industrie und Gewerbe vergeben. Im Fokus stehen dabei besonders wirtschaftliche Energieeffizienzmaßnahmen und deren Übertragbarkeit auf weitere Unternehmen. Die internationale Relevanz von Energieeffizienzlösungen zeigt sich auch an den Bewerberzahlen: Bis heute bewarben sich 661 Unternehmen für diese Auszeichnung.

Der Energy Efficiency Award 2016 wurde gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags. Die Realisierung erfolgte mit der Unterstützung der Premium-Partner Danfoss GmbH und DZ BANK AG.